Das Wochenblatt der Kanarischen Inseln schreibt in seiner heutigen Ausgabe 335 vom 18. September 2019 mit fetter Überschrift an erster Stelle seiner Titelseite vom "Migrantenansturm auf die Inseln".
Bedeutungen von "Ansturm" (https://de.wiktionary.org/wiki/Ansturm)
[1] Militär: kraftvoller, schneller Angriff vieler Angreifer auf ein bestimmtes Ziel
[2] im übertragenen Sinn: heftige Massenbewegung auf ein Zielobjekt
Angesichts der überschaubaren Anzahl an Immigranten, erscheint mir weder die Titelwahl noch die Platzierung als angemessen. Es geht hier um eine für diese Jahreszeit seewetterbedingt keineswegs außergewöhnliche Menge an ankommenden Menschen, die in ihrer Anzahl nur etwas mehr als einem vollbesetzten Ferienflieger entspräche. Das ist keine Invasion, kein Ansturm, nichts dergleichen! Wer so etwas in dieser politischen Zeit suggestiv beängstigend als "Migrantenansturm" betitelt und trotz der untergeordneten Nachrichtenrelevanz zum Aufmacher an erster Stelle auf die Titelseite platziert, begeht unverkennbar Hetze gegen Immigranten oder hat es mindestens vorsätzlich darauf abgesehen, die Leserschaft am rechten Rand abzufischen.
Offensichtlich mit Erfolg. Denn auf der offiziellen Facebook-Seite des Wochenblatts dürfen eben solche Kommentatoren zu diesem Thema auch noch ungestört nachtreten (Zitat: "Zurück nach Afrikas Küsten!" oder "bloß nicht bin doch schon aus Deutschland geflohen weil es mir da zu unsicher wurde"). Da diese Schlagzeile auf der Titelseite in ihrer Wirkung offensichtlich kalkuliert war, kann ich bedauerlicherweise nur mutmaßen, dass es um die journalistische Professionalität und moralische Verantwortung der Wochenblatt-Radaktion entweder nicht gut bestellt ist oder ihre politische Präferenz ihre Arbeit beeinflusst.
Journalismus geht jedenfalls anders, nämlich neutral und einordnend.
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