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Thema: Abwasserentsorgung auf Teneriffa

  1. #1
    Avatar von Rainer
    57 Jahre alt
    1.842 Beiträge seit 11/2010
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    Abwasserentsorgung auf Teneriffa

    Auf Teneriffa verfügen nur ein paar größere Hotels über eine einfache Abwasseraufbereitung und die meisten normalen Häuser sind so gut wie nie an ein öffentliches Abwassernetz angeschlossen. Sogar das ganze Hauptstadtabwasser fließt größtenteils ungeklärt ins Meer. Aktuell werden nur rund 10 % der Abwässer von Teneriffa irgendwie aufbereitet. Es gab deshalb schon mehrfach Rügen seitens der EU.

    Das Thema ist unpopulär und wird gern ausgesessen, denn wenn man Kläranlagen im nötigen Umfang bauen würde, wäre das für die Gemeinden und Verbraucher ein wesentlicher Kostenfaktor. Nur falls sich jemand fragt, warum Wasser hier so günstig ist und Abwasser nichts kostet.

  2. Nach oben    #2

    aus Los Realejos
    1 Beiträge seit 04/2017
    Wir schauen uns gerade Häuser zum Kaufen an und sind ziemlich verwundert, dass es bisher kein Objekt mit einem Anschluss ans Abwassernetz gab. Wir finden das sehr seltsam. Wohin sickert das Abwasser denn? Einfach die ganze Jauche unterm Haus versickern lassen? Ist das normal auf Teneriffa?

    Bitte klärt mich auf.


  3. Nach oben    #3

    aus D und TF
    18 Beiträge seit 01/2018
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    1
    Auch auf unserer Finca befindet sich ein Abwasserrohr, welches außen sichtbar in den Boden geleitet wird. Örtliche Kanalisation nicht vorhanden und von außen ist kein Tank im Boden erkennbar. Somit gehen wir davon aus, dass das Abwasser im Boden ungefiltert versiegt.

    Wie nennt man diese Art der Abwasserentsorgung hier?

    Und wie ist Funktionsweise? Abwasser versinkt ungefiltert im Boden und das wars? Kaum vorstellbar!

    Welche Größe sollte eine Abwassergrube haben, um bei einem Dreipersonenhaushalt eine ausreichende Abwasserentsorgung zu gewährleisten?

  4. Nach oben    #4
    Avatar von Rainer
    57 Jahre alt
    1.842 Beiträge seit 11/2010
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    Anschlüsse an ein öffentliches Abwassernetz sind auf Teneriffa noch sehr selten. Diese häufigste Entsorungsart von Abwasser geschieht direkt vor Ort in Sickergruben unter oder neben den Gebäuden, hier pozo negro genannt. Ein richtiges Pozo besteht aus einem unterirdischem Reservoire in dem sich Mikroorganismen ausreichend lange um die Zersetzung unserer Fäkalien kümmern. Im Idealfall besitzt das Pozo mehrere septische Kammern, wo am Ende klares Wasser versickert. Um ein Pozo nicht zu überlasten, sollte Regenwasser, wenn überhaupt, nur in begrenzten Mengen zugeführt werden.

    Wenn ihr nichts falsch machen wollt, am besten ein entsprechendes Unternehmen damit beauftragen, das pozo zu planen. Die wissen auch über die optimale Dimensionierung bescheid und kennen die entsprechenden Antragstellungen bei der Gemeinde. Man darf Pozos außerdem nur dort neu errichten, wo es noch keinen öffentlichen Anschluss an ein Abwassernetz gibt. Andernfalls besteht Anschlusspflicht.

    Ich hatte vor ungefähr zehn Jahren mal gelesen, dass Teneriffa von der EU die Auflage bekam, allen einen Abwasseranschluss bis 2027 zu gewährleisten. Seither habe ich nie wieder etwas darüber gelesen, außer dass betreffend industriellen Abwässern im Industriegebiet von Güímar nun tatsächlich erstmals empfindliche Geldstrafen an die Stadtverwaltung gerichtet wurden.

  5. Nach oben    #5

    aus D und TF
    18 Beiträge seit 01/2018
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    1
    Vielen lieben Dank für die Aufklärung. Wir werden das von einer Fachfirma erledigen lassen.

    LG

  6. Nach oben    #6
    Descansa en paz Avatar von Zauberin60
    aus Guargacho
    352 Beiträge seit 06/2017
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    50
    Wenn es nur um das Abwasser eines kleinen Haushalts geht ohne Regenwasser gibt es inzwischen schon Dreikammersysteme fertig zum Anliefern und Eingraben. Natürlich mit Bagger. Die messen 2 Meter im Durchmesser und 3,5 Meter in der Tiefe. Das schöne ist, das Teil stinkt nicht.

  7. Nach oben    #7
    Avatar von MiLe
    59 Jahre alt
    aus Fasnia
    203 Beiträge seit 04/2022
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    Auf meiner Webcam kann ich gerade eine Pfütze im Wohnzimmer sehen, nicht jedoch, wo die herkommt. Ich hoffe, es hat sich nur etwas unter der Haustüre durchgedrückt - das wäre nicht weiter schlimm. Ich frage mich aber, welche Menge/Zeiteinheit so ein Pozo negro aufnehmen/abgeben kann, bevor er überläuft und der Keller unter Wasser steht. Denn ausgerechnet dort habe ich keine Kamera.

    Blödes Gefühl, erst in fünf Wochen wieder unten zu sein.

  8. Nach oben    #8
    Avatar von Rainer
    57 Jahre alt
    1.842 Beiträge seit 11/2010
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    768
    Kommt auf die Auslegung, Größe und Pflegezustand des Pozos an. Wenn es groß dimensioniert ist mit einem Dreikammer-System, dann können die einen ausgiebigen Regen problemlos aufnehmen. Wir sprechen hier von 30 bis 50 Kubikmetern. Ältere Pozos, die von den Ersterbauern oft zu klein dimensioniert sind, sollten eher kein Regenwasser zugeführt bekommen. Das ist in den meisten Fällen nur ein einfaches Abwasserrohr, das irgendwo im Erdreich oder in einer darunterliegenden Erdspalte endet. Darum verfügen solche Pozos über keine nennenswerten Aufnahmekapazitäten. Das normale Hausabwasser sickert langsam in das darunterliegende Gestein oder Erdreich ein aber eine durchschnittliche Hausdachfläche von 150 Quadratmetern ergibt bei 200 l/m² Regen stolze 30 Kubikmeter Regenwassermenge.

    Im Idealfall hat man mit einem Pozo selten Ärger. Eine Reinigung von Feststoffen empfiehlt sich alle 10 bis 20 Jahre. Wenn es sich wiederholt zusetzt, sollte man das benutzte Klopapier stets separat entsorgen (darum Mülleimer neben den Kloschüsseln) oder öfter mal auspumpen und reinigen lassen. Nicht ganz unbedeutend ist auch das Milieu der zersetzenden Mikroorganismen, denn ein Pozo ist ein lebendiges Biotop. Auf WC-Steine und aggressive Reinigungsmittel sollte verzichtet werden. Viele Zuwanderer kennen nicht die Bedeutung der Papiereimer auf den hiesigen Toiletten. Auch wenn sich handelsübliches Klopapier mit der Zeit auflöst, gehört es besser nicht ins Pozo, erst recht keine Feuchttücher oder andere nicht zersetzbare Abfälle.

  9. Rainer´s Beitrag erhielt Dank und/oder Zustimmung von:


  10. Nach oben    #9
    Avatar von MiLe
    59 Jahre alt
    aus Fasnia
    203 Beiträge seit 04/2022
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    62
    Laut vorliegenden Plänen (von denen ich natürlich nicht weiß, ob sie auch so 1:1 realisiert wurden), befindet sich unter der Garage ein Dreikammersystem mit insgesamt 3 m³ und nachgeschaltetem pozo filtrante (ohne Maßangaben). Regenwasser wird in die 3. Kammer eingeleitet, also direkt vor dem Pozo filtrante. Die versiegelte Fläche beträgt ca. 123 m² (incl. Zufahrt zur Tiefgarage). Baujahr ist 2006, Füllstand mit Feststoffen unbekannt. Von der Verrohrung her dürfte das System im Ruhezustand ca. mit 2 m³ gefüllt sein, bleibt demnach 1 m³ für plötzliche Einleitung als Puffer. Es wird also alles davon abhängen, wie viel Wasser pro Stunde in das System kommt und wie viel der Pozo filtrante pro Stunde "wegschafft". Die Pufferkapazität des Systems wird's bei der Dimensionierung und den Regenmengen jedenfalls nicht richten.

  11. Nach oben    #10
     Unterstützer/in Avatar von webwood
    aus Puntillo del Sol
    181 Beiträge seit 11/2018
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    41

    Eine etwas ungustiöse Frage

    In etlichen Ferienwohnungen wurde mir eingebläut, ja kein Toilettenpapier in die Schüssel zu werfen. Habe ich natürlich befolgt, doch finde ich diese Kübel schon mehr als unappetitlich. Meine nun kürzlich angemietete Wohnung in Puntilla del Sol scheint mir vom Gebäude her recht neueren Datums zu sein. Bezieht sich der wohl zu kleine Rohrdurchmesser für Fäkalien nur bei älteren Bauten oder ist das hier Standard? Ich habe meine Vermieterin bewusst gar nicht erst gefragt. Ich will natürlich keine Verstopfung im Rohr verursachen, doch auf den Sch...Kübel in der Toilette kann ich durchaus verzichten.

  12. Nach oben    #11

    228 Beiträge seit 12/2019
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    57
    Dies sieht man hier auch oft auf Schildern in Gaststätten mit Kundschaft im unteren Bildungsniveau. In den besseren wird vorausgesetzt, dass der Kunde nur in die Toilette wirft, was auch dort hineingehört. Ich habe dies noch nie befolgt und werde es auch in Zukunft nie anders halten. Der Durchmesser hier verträgt sehr wohl WC-Papier in "normaler" Menge.

  13. Nach oben    #12

    59 Jahre alt
    aus Baden-Württemberg, Puntillo del Sol
    246 Beiträge seit 11/2013
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    85
    Auf Teneriffa gibt es kaum Kanalisation und jedes Stück Papier, dass im Pozo landet, tut ihm nicht gut. Wir haben bei unseren WCs Handbrausen installiert, so dass das Klopapier eigentlich nur noch zum Abtrocknen verwendet wird. Stark verschmutztes Papier kommt ins WC, der Rest in den Eimer. Feriengäste und der Besuch werfen alles Papier ins WC. Bis jetzt klappt das gut so mit unserem System.

  14. Nach oben    #13
    Avatar von MiLe
    59 Jahre alt
    aus Fasnia
    203 Beiträge seit 04/2022
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    62
    In meinem Haus gibt es ein vorgesehenes Abwasserrohr Richtung Straße, welches allerdings nicht angeschlossen ist - das Rohrende schaut einfach innen aus der Außenwand heraus. Es scheint also zumindest mal was in Planung gewesen zu sein, Baujahr 2006. In der Straße gibt es reichlich Schachtabdeckungen, die mit Strom, Wasser, Gas und Glasfaser kaum erklärbar sind - sieht also so aus, als wäre da schon ein Abwasserkanal verlegt. Falls vorhanden, würde ich mich da gerne anschließen. Nicht nur der Umwelt zuliebe, sondern auch, um die Feuchte unter dem Haus (pozo negro) zu reduzieren, denn schließlich geht da nicht nur Abwasser hin (die Menge ist überschaubar), sondern auch der Niederschlag auf rund 170 m² befestigter Fläche - da kann schon mal was zusammenkommen.

    Eine Nachfrage hier auf der Gemeinde ergab die recht einsilbige Antwort "Buenos días: En la Calle Cementerio carece de alcantarillado público" - noch nicht mal mit Namen oder sonstigen Floskeln. Merkwürdig - normalerweise ist man auf dem Ajuntamiento nicht so zugeknöpft.

    Weiß jemand, wo/wie man an weitergehende Infos kommt, z. B. ob etwas geplant ist, woran es liegt?


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